Überschrift Namensursprung
Wir Hintergrund 1

Mit dem Gruppennamen „Terra Coloniensis“ können wahrscheinlich die Wenigsten etwas anfangen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen modernen, lateinisch klingenden Namen sondern um eine Bezeichnung, die aus dem Mittelalter selbst stammt.

Erstmals begegnet uns die „Terra Coloniensis“ unter Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191) in den Quellen. Die wörtliche Übersetzung lautet „Kölner Land“, doch was ist mit diesem Begriff gemeint? Auffällig ist, dass er zu Beginn des 13. Jahrhunderts langsam wieder aus den Quellen verschwindet. Die „Terra“ war damit nur eine zeitweilige Erscheinung, die kaum mehr als 50 Jahre bestand hatte.
Am ehesten nähert man sich der Bedeutung von „Terra Coloniensis“, wenn man nach der Bedeutung des Begriffes „Land“ im hohen Mittelalter sucht. Mit diesem Thema hat sich z.B. der Historiker Georg Droege in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Seiner Meinung nach lässt sich der Landbegriff als eine Genossenschaft adliger Herren auffassen, die einen besonders mächtigen Fürsten als ihnen übergeordneten Herren anerkennen. Dieses Verhältnis beruhte jedoch keineswegs lediglich auf lehnsrechtlichen Bindungen, welche durch Übertragung eines Lehens an einen  Gefolgsmann zustande kamen. Die herausragende Stellung des Fürsten gründete sich in erster Linie auf seinen besonders großen Eigenbesitz und seine politischen Macht, die Genossenschaft der Adligen versprach sich durch ihn Schutz und Wahrung ihrer Interessen.

Im Rheinland, der Eifel und in Westfalen war der Erzbischof von Köln ein solch mächtiger Fürst. Die Kölner Kirche besaß eine Vielzahl von Herrschaften, von Burgen, Städten und Dörfern, die zu ihrem Eigenbesitz gehörten. Diesen Besitz hatte vor allem der oben genannte Philipp von Heinsberg dermaßen vermehrt, dass die Adligen der Gegend, unter ihnen z.B. die Grafen von Berg, von Are-Hochstaden und Nürburg, von Altena und viele andere, den Erzbischof als ihren Herrn anerkannten. Diese von Geben und Nehmen geprägte Beziehung zwischen Bischof und Großen der „Terra Coloniensis“ konnte natürlich nur so lange Bestand haben, wie die Interessen der beiden Parteien nicht gegenläufig waren. Schon unter Erzbischof Adolf von Altena (1193-1205) kam es jedoch zunehmend zu Konflikten, so dass das Konstrukt der „Terra Coloniensis“ nur noch bis in die 30er Jahre des 13. Jahrhunderts bestand hatte. Wer mehr über dieses Thema wissen will dem sei der Artikel „Der Kölner Erzbischof“ in unserer Rubrik „Geschichte“ ans Herz gelegt.

Mit diesen Hintergrundinformationen wird schnell klar, dass der Name „Terra Coloniensis“ für unsere Gruppe wie gemacht zu sein scheint. Er steht einerseits für die enorme Macht der Kölner Erzbischöfe, die genau um das Jahr 1200 n. Chr. herum auf ihrem Höhepunkt stand. Er umfasst einen großen geographischen Raum, der für unsere Gruppe als Darstellungsraum dienen soll. Und er verdeutlicht zuletzt einen wichtigen Aspekt der mittelalterlichen Gesellschaft, die von unzähligen Abhängigkeiten und hierarchischen Strukturen geprägt war.
Welcher Name wäre also besser für eine Gemeinschaft geeignet, die das Leben im Erzbistum Köln um das Jahr 1200 n. Chr. darstellen will?