Abb Rekonstruktionsversuch

Überschrift Rekonstruktion des Hochmittelalters

 

 

 

 

 

Wer lebendige Geschichte vermitteln will, der muss auch reale Anschauungsobjekte haben, welche dem Besucher einen Eindruck vom mittelalterlichen Leben geben können. Da Originalstücke des Mittelalters überwiegend im Besitz von Museen sind, können wir als Darsteller lebendiger Geschichte natürlich nicht auf solche zurückgreifen. Wir sind daher auf die Rekonstruktion des Mittelalters bzw. mittelalterlicher Gegenstände angewiesen.

 

 

 

 

 

 

Teilüberschrift Was bedeutet nun Rekonstruktion

 

 

 

Neben den erwähnten Originalstücken geben auch andere Quellen wie z.B. Bilderhandschriften, Textquellen oder Statuen Auskunft darüber, wie Alltagsgegenstände, Kleidung usw. in bestimmten Zeiten ausgesehen haben. Unsere Aufgabe ist es daher, diese Gegenstände möglichst originalgetreu nachzubilden, zu rekonstruieren. Dass dies nicht immer leicht zu bewältigen ist, kann man sich leicht vorstellen. Bilder z.B. lassen sich nicht immer als absolute Realität interpretieren, sollten sie doch im Mittelalter vor allem Werte und politische Gedanken transportieren. Abb Hortus DeliciarumDie realistische Abbildung wurde diesem Ziel sehr häufig untergeordnet. Verlässlicher sind da Plastiken, welche meist sehr realistisch wirken und daher zur Überprüfung der vorhandenen Bilder herangezogen werden können. Neben diesem Interpretationsproblem zeigen Bilder und Plastiken meist auch nicht, wie die abgebildeten Gegenstände hergestellt wurden. Hier können manchmal mittelalterliche Texte helfen, i.A. gilt es jedoch, die Rekonstruktion mit Mitteln und Materialien der Zeit so durchzuführen, dass das Ergebnis dem Original möglichst nahe kommt.

 

Rekonstruktion ist daher immer eine gewisse Interpretationssache und erlaubt an einigen Stellen durchaus künstlerische Freiheiten. Sie sollte sich aber immer an den Quellen orientieren, um keine Fiktion, sondern eine vergangene Wirklichkeit zu kreieren. Natürlich müssen nicht alle Gegenstände selbst rekonstruiert werden. Einige Replikate wie z.B. Waffen oder Keramik können heutzutage auch käuflich erworben werden.

 

 

Teilüberschrift Authenzität als oberstes Gebot

 

 

 

Wer wirklich historisch arbeiten will, muss Materialien und Arbeitstechniken verwenden, die auch schon dem mittelalterlichen Mensch zur Verfügung standen. Eine absolut authentische Rekonstruktion bedeutet jedoch in der heutigen Zeit einen großen Einsatz von Zeit und Geld. Dass beides i.A. knapp bemessen ist ist bekannt, so dass trotz aller großen Ziele Einbußen in der Authenzität hingenommen werden müssen. Gerade einem Anfänger ist es geradezu unmöglich, eine vorzeigbare Grundausrüstung, die absolut historisch gearbeitet ist, in wenigen Monaten herzustellen.

 

Abb Rekonstruktion Bild 3Wo sind Abstriche vertretbar? Nehmen wir das Beispiel Oberbekleidung. Ein hochmittelalterlicher Herrenrock bestand in der Regel aus handgewebter Schurwolle oder Leinen, Baumwolle wurde in Europa lediglich in Mischgeweben verwendet. Gefärbt wurde mit Naturstoffen, wie z.B.der Krappwurzel, Wallnusschalen und vielem mehr. Auch das Garn war selbstverständlich aus reiner Wolle oder Leinen. Einen solchen Rock aus handgewebtem Stoff mit der Hand zu nähen und den Stoff sowie das Garn vorher selbst zu färben ist sicherlich eine tolle Erfahrung und liefert ein tolles, historisches Ergebnis. Erfahrene Aktive, die dem Hobby schon lange nachgehen werden sich in den meisten Fällen irgendwann an dieser perfekten Authenzität versuchen. Aber auch wer Kosten und Mühen noch scheut kann einen Rock herstellen, der die Zeit vernünftig repräsentiert und ins Gruppenbild passt. Ob ein Stoff handgewebt ist, lässt sich von außen kaum erkennen. Auch der verwendete Farbstoff bleibt für den Betrachter verborgen, ebenso wie die Zusammensetzung des Garns.

 

Was entscheidend ist, ist die optische Stimmigkeit des Kleidungsstücks. Ein Baumwollstoff z.B. macht optisch einen durchaus anderen Eindruck als Wolle. Stimmt der Schnitt des Rockes nicht mit der Mode der Epoche überein, so ist die Darstellung des gewählten Zeitraums wohl nicht vertretbar. So sind hochmittelalterliche Röcke wesentlich länger als spätmittelalterliche und auch durchaus anders geschnitten.

 

Eine authentische Rekonstruktion bleibt das Ideal unserer „Arbeit“ als Darsteller lebendiger Geschichte. Ein allzu Stures Verfolgen dieses Ideals kann jedoch nicht Sinn und Zweck unseres Hobbys sein. Denn gerade der Kölner verbindet mit seiner Freizeit nicht nur Plackerei, sondern auch „Spass aan d´r Freud!“

 


 Quellen: