Überschrift Waffen und Rüstung Zeichen der Macht

 

 

 

 

Dass das Mittelalter im Vergleich zu heute eine raue Zeit war ist wohl jedem bekannt. Krieg wurde als normales Mittel zur Konfliktbewältigung gesehen und diente als Werkzeug, um z.B. politische Ziele zu erreichen. Wer Waffen und Rüstungen trug besaß daher Macht, ein Umstand der die nicht waffentragende, bäuerliche Bevölkerung in der sozialen Rangordnung ganz unten stehen ließ. Zum Inbegriff der waffentragenden, führenden Bevölkerungsschicht ist dabei der ab dem 12. Jahrhundert nachweisbare Ritterbegriff geworden.

 

Der Begriff Ritter weckt bei vielen die Vorstellung vom Abb Frühstaufiche RitterReiter im Plattenpanzer und Visierhelm, der im Turnier für eine holde Dame kämpft. Doch ähnlich wie im Falle der Kleidung war die Rüstung und Bewaffnung des Ritters keinesfalls während des gesamten Mittelalters gleich. Ständige Entwicklungen in der Waffen- und Schutztechnik veränderten das Bild des adligen Reiters und führte schließlich im Spätmittelalter zum Vollplattenpanzer, wie ihn viele mit dem Mittelalter verbinden. Der Ritter des 12. und 13. Jahrhunderts sah allerdings ganz anders aus. Wir wollen deshalb die Entwicklung von Waffen und Rüstung kurz näher betrachten.

 

Das früheste Element der ritterlichen Rüstung ist der Kettenpanzer, auch Hauberk oder Harnisch genannt. Kettenpanzer wurden schon von römischen Soldaten getragen und gehen wahrscheinlich auf die Kelten zurück. Sie bestanden aus vielen Tausenden, ineinandergreifenden Eisenringen, die so ein elastisches Kettengeflecht bildeten und eine große Bewegungsfreiheit ermöglichten. Ein solches Eisenhemd schütze besonders wirkungsvoll gegen Schnittwunden, die Wucht von Hieben vermochte es dagegen nur geringfügig abzufangen, weshalb unter dem Hauberk ein gestepptes Hemd, Gambeson genannt, getragen wurde. Der frühmittelalterliche Ritter bot ein weit weniger edles Erscheinungsbild, als der Ritter des Spätmittelalters. Seine Panzerung bestand aus Hauberk, Spangenhelm und Schild, wobei der Kettenpanzer nur bis zu den Ellebogen reichte, den Kopf jedoch in Form einer Kapuze aus Kettengeflecht schützte. Im Gegensatz zum späten Mittelalter wurde zu dieser Zeit kein prächtiger Rock über dem Panzer getragen, der Ritter strahlte daher lediglich im metallernen Glanz. Im Laufe der Zeit wurde der Schutz des Ritters stetig verbessert. Der Hauberk wurde länger und zusätzlich mit Fäustlingen aus Kettengeflecht versehen, auch die Beine wurden nach und nach mit Kettenpanzerung geschützt. Der Schild änderte sich von seiner runden Form zur länger gestreckten Variante, die das linke Bein des berittenen Kriegers effektiver zu schützen vermochte. Auch der Helm bot zunehmend besseren Schutz. Zum Nasenschutz traten Nackenbleche und Gesichtsblenden hinzu, die um das Jahr 1200 schließlich zum Vorgänger des voll geschlossenen Kübelhelms führten.

 

Am Ende des 12. Jahrhunderts hatte die Kettenrüstung schließlich ihre volle Ausprägung erreicht. Der Hauberk reichte bis zu den Knien und schloss an den Ärmeln mit Fäustlingen ab, welche durch einen Schlitz am Handgelenk oder an der Handfläche abgestreift werden konnten. An den Halsausschnitt schloss eine Kettenkapuze an, welche ebenfalls abgestreift werden konnte. Um dieses Abstreifen zu ermöglichen, aber dennoch den Hals zu schützen, besaß die Kapuze einen Kinnlatz, der vor den Hals gebunden werden konnte. Auch die Beine des Ritters waren nun mit Kettengeflecht umgeben. Während das Geflecht gegen Ende des 12. Jahrhunderts nur die Vorderseite des Beines bedeckte und auf der Rückseite geschnürt wurde, erfolgte um das Jahr 1200 der Übergang zum vollständig geschlossenen Beinling, in historischen Quellen auch als Isenhozen bezeichnet. Diese Beinlinge waren, wie auch die Hosen der Alltagskleidung, strumpfartig und wurden mittels Lederriemen an einem auf der Hüfte liegenden Gürtel befestigt. Damit war der Ritter von Kopf bis Fuß mit Kettenpanzerung bedeckt. In der gleichen Zeit ist eine weitere Veränderung des ritterlichen Erscheinungsbildes zu beobachten.

 Bild Schild

Während in Deutschland bis zum Ende des 12. Jahrhunderts keine Waffenröcke über dem Kettenpanzer getragen wurden, zeigen Bildquellen um das Jahr 1200 erstmals solche Röcke im deutschen Reich. Ursprünglich stammte der Waffenrock aus dem heiligen Land, wo ihn europäische Ritter zum Schutz vor der sengenden Hitze über dem Panzer trugen. Diese Röcke waren rein weiß, die wohl zweckmäßigste Farbwahl. Der Rock wurde vor allem in Frankreich schnell vom Adel zum modischen Detail umfunktioniert, welches in verschiedensten Farben zu finden war. Das deutsche Reich, dass sich an den ersten Kreuzzügen nur äußerst zurückhaltend beteiligt hatte, blieb von dieser Entwicklung im 12. Jahrhundert jedoch weitgehend unberührt.

 

Abb Ritter in der EnideErst gegen Ende des Zeitraums, vielleicht im Zusammenhang mit dem dritten Kreuzzug, fand der Rock auch Eingang in die Tracht des deutschen Ritters, wenn auch zunächst nur im ursprünglichen, schmucklosen weiß. Der Helm als wichtigster Kopfschutz wich um 1200 schon stark vom, bis zu Anfang des 12. Jahrhunderts allein gebräuchlichen, Nasalhelm ab. Das Gesicht wurde durch eine Eisenplatte geschützt, die mit Löchern zur Sicht und Atmung versehen war. Der Nackenteil des Helmes war, im Vergleich zum Nasalhelm, stark verlängert und er schloss nun nach oben hin flach ab. Dennoch war auch der Nasalhelm weiterhin in Gebrauch, da sich nicht jeder einen teuren, modischen "Topfhelm" leisten konnte. Wie schon der Helm stellte auch der Schild im Jahr 1200 eine Übergangsform zwischen 12. und 13. Jahrhundert dar. Im 12. Jahrhundert hatte der Schild des Ritters eine tropfenförmige Form erhalten und war von beachtlicher Größe. Mit der Verbesserung der Körperpanzerung war es jedoch möglich, die Größe des Schildes zu verringern, was die Führung desselben erheblich erleichterte. So lässt sich zum Jahr 1200 hin eine Abflachung des Tropfenschildes an der oberen Seite beobachten, wohl eine Folge des zunehmend besseren Gesichtsschutzes (Topfhelm). Die weitere Verkleinerung führte im 13. Jahrhundert zum klassischen Dreiecksschild, der eine Höhe von ca. 90 cm sowie eine dreieckige Form mit leicht ausgebauchten Seiten besaß. Um das Jahr 1200 tauchen daher zahlreiche Übergangsformen auf, z.B. exakte Dreiecke ohne seitliche Ausbauchungen oder auch Mischformen zwischen Tropfen- und Dreiecksform.

 

Die Bewaffnung des deutschen Ritters hatte sich, im Gegensatz zur Rüstung, im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Hauptwaffen waren Lanze und Schwert, daneben tauchen z.B. Streitkolben als weitere Bewaffnung auf. Das Schwert hatte als Reiterlangschwert eine Gesamtlänge von 90-100 cm und wies bis ins 13. Jahrhundert eine gerade Parierstange auf. Eine Besonderheit des deutschen Ritters lag im weißen Schwertgurt, der keinen Schnallenverschluss aufwies, sondern geknotet wurde. Die Scheide besaß einen Holzkern und war meist mit schwarzem Leder bespannt. Sie wurde mit dem Schwertgurt in kunstvoller Weise umwickelt, so dass eine stabile Trageweise ermöglicht wurde. Der Gurt bildete bis 1200 meist eine Z-förmige Riemung auf der Scheide, während im 13. Jahrhundert häufiger eine X-förmige Variante zu finden ist.

Seien Sie nach diesem Ausflug in die Geschichte der ritterlichen Rüstung dazu eingeladen, die einzelnen Elemente von Rüstung und Waffen des Ritters um das Jahr 1200 n.Chr. etwas genauer zu betrachten. Auch hier werden wir wenn möglich Rekonstruktionen zeigen.

 


 Quellen: