Überschrift Kleidung des Hochmittelalters

 

 

 

Kleidung Titel

Welche Art von Kleidung trugen die Menschen im Mittelalter?

Wurde das ganze Mittelalter hindurch die gleiche Art von Kleidung getragen?

 

Die Antwort auf diese Fragen soll der folgende Artikel liefern.

Die zweite Frage ist dabei gleich zu Beginn mit „Nein“ zu beantworten. Im Mittelalter wie auch heute gab es zu verschiedenen Zeiten auch unterschiedliche Modeerscheinungen. Besonders in den drei großen Zeiträumen des Mittelalters, dem Früh-, Hoch- und Spätmittelalter kann man klare Unterschiede im Kleidungsgeschmack erkennen.

 

Abb Damenkleidung des 12Aber auch innerhalb dieser groben Zeiträume gab es durchaus modische Veränderungen, vor allem auch in der von uns dargestellten Zeit um das Jahr 1200 n.Chr. So wie das Hochmittelalter eine Zeit der Veränderungen war (siehe „Geschichte“), so fand auch in der Mode des Adels um das Jahr 1200 n.Chr. herum ein Wechsel statt. Auch wenn sich diese Mode natürlich nicht alle Bevölkerungsschichten leisten konnten – der Adel war in puncto Kleidung dennoch stets ein Vorbild für das einfache Volk. Die Kleidung der einfachen Leute lehnte sich daher an die Adelsmode an, besaß aber weniger Stofffülle, eine schlechtere Stoffqualität und wurde mit günstigen Färbemitteln gefärbt.

 

Schauen wir uns nun diesen Wandel in der Mode des Hochmittelalters etwas genauer an.


Im 12. Jahrhundert hatte die Mode des Mittelalters im Bezug auf Abb Herrenkleidung des 12Körperbetonung und Stofffülle ihren Höhepunkt erreicht. Die Kleider der Damen waren im Bereich des Oberkörpers eng geschnürt, ab der Hüfte hingen sie dagegen in zahllosen Falten herab. Die Ärmel des Damenkleides waren in Form von Tüten gehalten, die bis zum Boden reichen konnten. Diese Mode hatte durchaus ihre Parallelen in der Herrenwelt. So trugen auch Herren den am Oberkörper eng geschnürten Bliaut, der jedoch kürzer als das Kleid der Frau ausfiel und ab der Hüfte beidseitig geschlitzt war. Solche repräsentativen Gewänder waren natürlich dem Adel vorbehalten. Die Kleidung der einfachen Menschen war der Rock, der auch vom Adel unter Kleid oder Bliaut getragen wurde. Beim einfachen Volk fiel der Rock eher kurz aus und war wenig bis kaum verziert. Der Adel trug etwas längere Röcke, die zudem mit Borten und Stickereien verziert sein konnten und prächtige Farben besaßen. Auch beim Rock war ein reicher Faltenwurf abwärts der Hüfte vorhanden, der durch das Einnähen von Stoffdreiecken, so genannter Geren, erzielt werden konnte. Natürlich besaßen die Röcke des Adels besonders viele Geren, um einen reichen Faltenwurf zu gewährleisten. Die Ärmel des Rockes konnten sowohl eng anliegend als auch etwas weiter geschnitten sein, besaßen jedoch anscheinend stets volle Armlänge.

 

Abb Herrenkleidung des 13Im 13. Jahrhundert kehrte schließlich eine gewisse Ruhe in die deutsche Mode ein. Die auffälligen, sehr Körper betonten Kleidungsstücke des 12. Jahrhunderts wichen einer eher strengen, aber würdevollen und eleganten Mode, die sich während des gesamten 13. Jahrhunderts kaum veränderte. Die Schnürung der Kleider entfiel, der Herren-Bliaut tauchte nach 1200 nicht mehr auf. Auch die ausgeprägten Tütenärmel der Frauen verschwanden aus der Mode und wurden durch eng anliegende Ärmel ersetzt, die nun auch bei den Männern zur Regel wurden. Während sich die Damenmode in dieser Hinsicht der Herrenmode anglich, so näherten sich die Herren im Bezug auf die Rocklänge den Frauen an. Der Männerrock reichte nun häufig bis zum Boden, wobei diese modische Länge dem Adel vorbehalten gewesen sein dürfte, da sie bei körperlicher Arbeit eine große Behinderung dargestellt haben muss. Auch wenn die Schnürung im Oberkörperbereich weg fiel, kehrte der Schnitt des Rockes nicht zur frühmittelalterlichen "Sack"-Weite zurück. Die Röcke waren weiterhin recht eng geschnitten, vor allem an den Armen. Zum Rock traten im 13. Jahrhundert diverse Überröcke hinzu, die meist in zum Rock kontrastierenden Farben gehalten waren. Häufig sind Überröcke ohne Ärmel (ähnlich dem Waffenrock) mit Scheinärmeln (cotte-hardie), die an den Seiten herunter hingen oder mit halben Ärmeln in den Bilderhandschriften zu finden.

 

Die Unterkleidung blieb im Gegensatz zur Oberkleidung während des gesamten Hochmittelalters gleich. Männer, ob Bauer oder Edelmann, trugen die Bruche, eine Art voluminöse, windelartige Unterhose, die mit Hilfe eines geflochtenen Bandes auf denKleidung Bild 5 Hüften gehalten wurde. Charakteristisch für diese Unterbekleidung war der Stoffwulst, der auf Abbildungen um das Hüftband zu sehen ist. An der Bruche wiederum wurden die Hosen befestigt, die aus zwei strumpfartigen, eng geschnittenen Beinlingen bestanden. Solche Hosen konnten Fußteile oder Stege besitzen, wurden aber in jedem Fall mittels eines Bandes an der Bruche befestigt. Der Oberkörper schließlich wurde von einem einfachen Hemd bedeckt, dass häufig bis zu den Knien reichte und damit den Blick auf die Bruche verdeckte. Über die Unterbekleidung der Frauen ist dagegen nur wenig bekannt, da Frauen im Allgemeinen nicht in Unterwäsche abgebildet wurden. Nur ein kurzes Stück der Beine ist auf manchen Abbildungen unter dem Kleid zu erkennen. Aus diesen Abbildungen geht hervor, dass Frauen scheinbar häufig nadelgebundene Strümpfe getragen haben. Letzter Teil der Kleidung, vor allem im Winter, war der Mantel. Beim Adel hatte er neben der wärmenden Funktion auch repräsentativen Charakter. Im Hochmittelalter besaß er eine halb- bis dreiviertelkreisförmige Form und war in Adelskreisen mit kontrastreichem Futter versehen, im Winter wurde häufig Pelzfutter verwendet. Doch auch einfache Leute trugen den Halbkreismantel, wobei Farben und Fütterung naturgemäß dezenter ausfielen. Als Reisemantel verbreitet war zudem die Kappa, ein komplett geschlossener Mantel, der häufig eine Kapuze besaß und somit ideal gegen Wind und Wetter schützte. Die Reisekappa reichte häufig bis zum Boden und schränkte dementsprechend die Bewegungsfähigkeit stark ein. Von einfachen Leuten wurde daher während der Arbeit eine kürzere Form der Kappa getragen, welche an der Vorderseite nur bis zur Brust reichte. Diese Verkürzung ermöglichte eine gute Bewegungsfähigkeit und wärmte gleichzeitig den Oberkörper an kalten Tagen.

 

Abb Damenkleidung des 13

Wie auch in heutiger Zeit wurden im hohen Mittelalter schmückende Accessoires getragen, die jedoch neben dem ästhetischen, repräsentativen Effekt auch einen praktischen Nutzen hatten. Der Halsausschnitt des Rocks beispielsweise wurde mit Hilfe einer Fibel verschlossen, welche aus diesem Grund auch Fürspann genannt wurde. Auch der Halbkreismantel, der häufig als sogenannter Tasselmantel getragen wurde, besaß in diesem Fall zwei prächtige Fibeln, mit deren Hilfe das Tasselband am Mantel befestigt wurde. Zu guter letzt sollte der Gürtel erwähnt werden, der über dem Rock getragen wurde und neben einer dekorativen Schnalle häufig auch eine Reihe von Zierbeschlägen besaß. Aus dem 12. Jahrhundert ist leider relativ wenig über die verwendeten Accessoires bekannt. Zwar erkennt man auf zahlreichen Abbildungen, so z.B. im Hortus Deliciarum, dass einige Figuren einen Gürtel tragen, allerdings ist dieser stets von Falten bedeckt, so dass Schnalle und Beschläge nicht zu sehen sind. Auch Schlitze am Halsausschnitt, die auf irgend eine Art und Weise verschlossen worden sein müssen sind zu sehen, jedoch ist kein Verschluss zu erkennen. Auch die Skulpturkunst sowie Funde der Zeit geben wenig Aufschluss. Im 13. Jahrhundert zeigen die Quellen dagegen ein reiches Spektrum an Fibeln und Gürteln, sowohl auf Abbildungen als auch besonders an Skulpturen. Man wird wohl ähnliche Formen auch für das Ende des 12. Jahrhunderts annehmen können.

 

Nach diesem Ausflug in die Geschichte sei der Leser dazu angehalten, die Kleidung der verschiedenen Bevölkerungsschichten etwas näher zu betrachten. Anhand von Bildquellen möchten wir zeigen, wie man sich die Kleidung z.B. einer adligen Dame oder eines einfachen Handwerkers um das Jahr 1200 n.Chr. vorstellen kann. Wo vorhanden werden wir natürlich auch Rekonstruktionen zeigen, die den Bildquellen halbwegs nahe kommen sollen.

 


 Quellen: