Überschrift 1200 n.Chr. Umbruch im Hochmittelalter

 

 

 

 

1200 n.Chr. – Was macht dieses Jahr interessant? Warum versuchen wir, Abb Umbruch Titelgerade die Zeit um dieses Jahr herum darzustellen? Diese Fragen drängen geradezu nach einer Rechtfertigung des von uns gewählten Zeitraums.

 

Natürlich könnte man anführen, dass die deutsche Mittelalterszene im Wesentlichen von spätmittelalterlichen Darstellern „beherrscht“ wird und die Beschäftigung mit wenig dargestellten Zeiträumen durchaus seinen Reiz hat. Das ist auch sicherlich der Fall, jedoch hat die Zeit um 1200 n.Chr. auch geschichtlich einen besonderen Reiz. Man kann das Hochmittelalter als Ganzes und besonders das späte Hochmittelalter mit Fug und Recht als eine Zeit des Umbruchs bezeichnen.

 

Im Hochmittelalter begannen in ganz Europa Veränderungen sowohl auf sozialer, herrschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene. Ihren Ausgang nahmen diese Veränderungen vor allem im vorherrschenden warmen Klima, in der Meteorologie als mittelalterliche Wärmeperiode bezeichnet. Begünstigt durch dieses setzte im 11. Jh. ein beträchtliches Bevölkerungswachstum ein, welches das alte Europa schnell zu klein werden ließ.

Auf wirtschaftlicher Seite wurde dem Problem der Überbevölkerung durch die Einführung neuer landwirtschaftlicher Methoden begegnet, so z. B. der Dreifelderwirtschaft, die eine effektivere Nutzung des Bodens möglich machte. Das Kummet ließ den Einsatz von Nutztieren im Ackerbau beträchtlich an Effektivität gewinnen und auch die Windmühle ist eine Entwicklung des Hochmittelalters.

 Abb Räderpflug mit Kummet

 

Im Hochmittelalter kam es erstmals nach dem Zerfall des weströmischen Reiches wieder zu einer Blüte der Städte. Sie waren ein idealer Fluchtort für die stark gestiegene Landbevölkerung, die so durch „Stadtflucht“ nicht zuletzt vor der Willkür ihrer Feudalherren fliehen wollte. Um dieses Problem zu umgehen begannen viele Herrscher mit der gezielten Anlegung von Städten, die mit eigenen Leuten besiedelt werden konnten. Auch die im 12. Jh. nach dem Wendenkreuzzug beginnende Besiedlung des Ostens diente nicht zuletzt dem Abbau der Überbevölkerung. Neben diesen Prozessen führte auch ein anderes Phänomen die Menschen aus ihrer Heimat fort, der ganz nebenbei an der Entstehung des Rittertums beteiligt war: Die Kreuzzüge. Mit dem 1. Kreuzzug 1096 n. Chr. und den Gottesfriedensbewegungen in Frankreich begann die Blüte einer Laienkultur, wie sie Europa bis dahin noch nicht erlebt hatte. Die „milites“ des Frühmittelalters, nichts anderes als der waffenfähige Adel, der durch Gewalt nach Macht und Beute strebte, wandelten sich durch den Einfluß der Kirche zum „miles christi“, zum Ritter. Wo Dichtung und Schriftlichkeit im Frühmittelalter auf die KlösterAbb Die Kreuzzüge beschränkt war blühte sie nun auch an den Höfen der Herrscher, das Ritterideal, wenn auch in vielen Fällen nur ein frommer Wunsch, wurde zum Selbstverständnis der herrschenden Klasse. Ein strahlendes Beispiel und sicherlich ein Höhepunkt der ritterlichen Kultur war Kaiser Friedrich Barbarossa, sein Hoftag zu Mainz 1184 gilt als prächtige Repräsentation von Kultur und Macht des Kaisertums dieser Zeit.

 

Aber auch die Herrschaftsverhältnisse erfuhren gerade zum Ende des 12. Jh. große Veränderungen. Die kleineren Herrschaftsträger wie Grafen und Edelherren konnten mit Hilfe des Lehnsrechts zunehmend an Macht gewinnen und ihre eigenen Ziele verfolgen. Ihre verstreuten Besitztümer und Rechte versuchten viele zu einem geschlossenen Territorium zu erweitern, in dem sie die alleinige Macht ausüben konnten. Dieser Prozess führte schließlich im Spätmittelalter zum bekannten „Flickenteppich“ in Deutschland, welches in unzählige Einzelherrschaften zersplittert war. Auch das Verhältnis der bäuerlichen Bevölkerung zu ihren Feudalherren erfuhr durch die Stadtflucht eine Wandlung. Viele Herren sahen sich durch die Abwanderung ihrer Hörigen genötigt, diesen mehr Freiheiten einzuräumen um sie an Ort und Stelle zu halten.

 

Viele erlangten so eine persönliche Freiheit, waren ihrem Herrn gegenüber z.B. nur noch zinspflichtig.  Diese Freiheitsbewegung, die gerade im 1200 n.Chr. im vollen Gang war, erhöhte das Zusammengehörigkeitsgefühl der unteren Schichten. So kam es zur Bildung von Dörfern im heutigen Sinne, in denen das Leben gemeinschaftlich geregelt war oder es entstanden Genossenschaften, die ihre Interessen als Kollektiv vor ihrem Herrn vertraten.

 

Abb Ketzerverfolgung

 

Zu guter letzt kam es auch in religiöser Hinsicht zu wesentlichen Veränderung im Vergleich zum Frühmittelalter. Der Papst, ehemals als Bischof von Rom nur

„der erste unter Gleichen“ stieg zum Oberhirten der Christenheit auf, der neben dem Machtanspruch über die Kirche auch die Macht über alle weltlichen Fürsten für sich beanspruchte. Gerade der deutsche Thronstreit, der seit 1197 in Deutschland tobte und der auf einer eigenen Seite dargestellt ist, führte das Papsttum um 1200 n. Chr. auf den Höhepunkt seiner Macht. Gegen diese Machtpolitik wendeten sich die entstehenden Bettelorden, allen voran der Franziskanerorden, die der Papst jedoch geschickt in die Kirche eingliedern und für seine Zwecke nutzen konnte. Die Bettelorden genossen ein hohes Ansehen im Volk, da sie überwiegend seelsorgerisch und karikativ tätig waren. Sie wurden führend an den Universitäten und prägten entscheidend die Religiösität der Zeit.

 

Dieser Rundumschlag durch das Hochmittelalter konnte hoffentlich die besondere Attraktivität dieser Zeit deutlich machen. Das Jahr 1200 n. Chr. ist jedoch zusätzlich durch ein politisches Ereignis interessant, das für das Rheinland keine unerhebliche Rolle spielte und im Folgenden näher dargestellt werden soll: Der deutsche Thronstreit.

 


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