Überschrift Der Kölner Erzbischof Nur ein Mann Gottes

 Erzbischof Titel

 

 

 

Teilüberschrift Erste Seite Weltliche Macht

 

 

 

Die Geschicke des Gebietes, welches das Erzbistum Köln umfasst, waren schon lange vor dem Jahr 1200 n.Chr. nicht nur auf religiöser Ebene mit einem besonderen Würdenträger verbunden: Dem Erzbischof von Köln. Anders als z.B. in Frankreich wurden die Bischöfe im deutschen Reich schon früh mit weltlicher Herrschaft ausgestattet, um dem deutschen König eine Stütze gegen die Interessen der weltlichen Großen zu sein. Schon im 10. Jh. setzte diese Entwicklung ein, sie führte schließlich dazu, dass sich unter den Reichsfürsten des hohen Mittelalters zu einem Großteil geistliche Herren befanden, so z.B. die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier. Als mächtigster unter den Reichsfürsten galt zum Ende des 12. Jh. zweifels ohne der Erzbischof von Köln.

 

Abb Banner ErzbistumWie war es zu dieser Macht gekommen? Die Grundlage bildete ein reicher, wenn auch verstreuter Eigenbesitz der Kölner Kirche, der schon im 11. Jh. aus Reichsgut geschaffen wurde. Als erster begann Erzbischof Anno II. (1056-1075) damit, diesen Besitz auszudehnen und seine Macht zu festigen. Annos Episkopat fällt in den Beginn des großen Investiturstreits, in dem der Kaiser deutlich an Macht einbüßen musste. Aufgrund dieser Schwäche konnte Anno eine eigene Politik verfolgen. So gelang es ihm z.B., den Pfalzgrafen bei Rhein, einen großen Reichsfürsten, nach Süden zurückzudrängen und die Orte Siegburg und Brauweiler, aber auch die mächtige Tomburg unter seine Herrschaft zu bringen. Macht und Besitz der Kölner Erzbischöfe wurde mit den Jahren immer größer. In der Mitte des 12. Jh. waren sie de facto so einflussreich, dass Kaiser Konrad III. (*1093, +1152) 1151 ihren Status durch Verleihung des Herzogstitels für Ribuarien (entspricht etwa dem linksrheinischen Teil der Diözese) untermauerte.


Zu einer weiteren, erheblichen Machtsteigerung kam es schließlich gegen Ende des 12. Jh. unter Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191). Nach der Absetzung des mächtigsten aller Reichsfürsten, Heinrich des Löwen, durch Kaiser Friedrich "Barbarossa" gelang es Philipp, Heinrichs westfälische Gebiete als Herzogtum Westfalen vom Kaiser zu erhalten. Damit war der Kölner Erzbischof ab 1180 gleich Herzog zweier Gebiete!

 

 

Teilüberschrift Die Terra Coloniensis

 

 

 

Neben diesem lehnrechtlichen Machtzuwachs (Die Herzogtümer waren Lehen des Königs) betrieb Philipp jedoch auch einen Ausbau auf landrechtlicher Ebene, indem er unter Aufwand großer finanzieller Mittel den Eigenbesitz einer Vielzahl von ansässigen Adligen erwarb. Diese Adligen erhielten ihren Besitz jedoch als Lehen von Philipp zurück, wobei er sich zusätzlich des aus Frankreich stammenden Öffnungsrechts bediente. So gelang es ihm, die kleineren Herrschaftsträger der Region erheblich enger an sich zu binden und gleichzeitig das Allod (Eigenbesitz) der Kölner Kirche zu vergrößern. In diesem Zusammenhang taucht unter Philipp von Heinsberg erstmals der Begriff der "Terra Coloniensis" auf. Philipp bezeichnete so seinen Herrschaftbereich, die ansässigen Großen tauchen oft als "nobiles terrae" auf. Die wörtliche Übersetzung "Kölner Land" weist schon entscheidend auf die Bedeutung dieses Begriffes hin. Die Beziehung zwischen Erzbischof und rheinischen Großen war von nun an nicht nur lehnrechtlicher sondern auch landrechtlicher Natur!

Das bedeutet, dass die Großen Philipp nicht nur aufrgrund von Lehnsbanden die Treue hielten sondern, dass sie ihn aufgrund seines enormen Besitzes als Landesherr anerkannten. Erzbischof Bild 2Man kann dieses Verhältnis als Genossenschaft adliger Herren verstehen, die einen Herrscher als ihnen übergeordnet anerkennen. Dieses Verhältnis zwischen Erzbischof und "nobiles terrae" konnte nur so lange bestand haben, wie die Interessen der Genossenschaft nicht zu stark mit den Interessen des Herrschers kollidierten. Da dies jedoch in der Folgezeit nicht zu vermeiden war hatte die "Terra" des Philipp von Heinsberg keinen langen Bestand. Erste Zerfallserscheinungen treten schon um das Jahr 1200 n.Chr. unter Erzbischof Adolf I. (1193-1205) auf, also genau im von uns dargestellten Zeitraum. Einige Große der "Terra" gewinnen in diesem Zeitraum zunehmend an Macht und konkurrieren damit mit dem Erzbischof. So bilden sich im 13. Jh. viele kleine "Terrae", also Landesherrschaftem aus, in denen meist Grafen als Herren über niedrigere Adlige agieren. Das genossenschaftliche Gebilde der "Terra Coloniensis" geht somit verloren, dem Erzbischof bleibt immer weniger Einfluss, bis sich seine Macht um 1450 nur noch auf ein kleines, fest umgrenztes Territorium beschränkt (Erzstift).


Als Gründe für den Verfall der "Terra" können im wesentlichen zwei Ereignisse ins Feld geführt werden. Zum einen hat die hochmittelalterliche Freiheitsbewegung dazu geführt, dass viele adlige deutlich an Macht einbüßen mussten, andere dagegen an Macht gewinnen und damit eine Abhängigkeit der schwächeren Herren herbeiführen konnten.
Aber auch "Der deutsche Thronstreit" scheint ein Auslöser gewesen zu sein, der das Vertrauen zwischen Erzbischof und "nobiles terrae" erheblich gestört hat. Dies lag in erster Linie daran, dass die rheinischen Adligen zumindest in ihrer Überzeugung nicht alle auf der Seite von Adolf I. standen. Dessen Parteiwechsel im Jahre 1205 entzürnte die Großen zusätzlich, die Vertrauensbasis war damit dahin.

 

 

Teilüberschrift nobiles terrae und vasalli st. Petri

 

 

 

Erzbischof Bild 4Wer genau gehörte zu den "nobiles terrae" des Kölner Erzbischofs? Mit diesem Titel bezeichnet wurden überwiegend Grafen und einflussreiche, freie Herren. Die "nobiles terrae" stellten somit im Prinzip auf lokaler Ebene ein Analogon zu den Reichsfürsten dar. Dagegen wurden alle direkten Lehnsträger des Erzbischofs als "vasalli st. Petri" bezeichnet. Da natürlich auch viele Grafen Lehen vom Erzbischof besaßen waren auch sie "Vasalli st. Petri", aber auch einfache Herren und Ministeriale, die weniger großen Einfluss besaßen fielen unter diese Bezeichnung.


Zusammen mit den Priores (Oberen) des Kölner Klerus bildeten "nobiles terrae" und "vasalli st. Petri" den Rat des Erzbischofs. Dieser war auf eine Zusammenarbeit mit diesen Herrschaftsträgern angewiesen, so traten sie z.B. vor Gericht als Zeugen oder Bürgen auf. Auch für die Heerfolge, die der Erzbischof dem Kaiser zu leisten hatte, war er auf die Ritter seiner "terra" angewiesen. Doch werden wir etwas konkreter. Zur Zeit Adolfs I. (also um 1200 n. Chr.) treten folgende Herren in den Quellen als "nobiles terrae" auf:

 

     • die Grafen von Jülich

     • die Grafen von Are-Hochstaden

     • die Grafen von Sayn

     • die Herzöge von Limburg

     • die Grafen von Saffenberg

     • die Grafen von Are-Nürburg

     • die Grafen von Berg

     • die Grafen von Geldern

     • die Grafen von Kessel

     • die Grafen von Kleve-Heinsberg

     • die Grafen von Altena

     • die Grafen von Arnsberg

     • die Herren von Hückeswagen

     • die Herren von Heimbach

     • die Herren von Blankenheim

     • die Herren von Schleiden

     • die Herren von Millendonk

     • die Herren von Ahrberg

und weitere.


Diese Aufzählung verdeutlicht zum einen die Macht des Erzbischofs, zum anderen aber auch die enorme Ausdehnung seiner "terra". Die Herrschaftsgebiete der "nobiles" reichen von Kleve und Geldern im Norden bis in die Eifel, im Osten bis Altena und Arnsberg (Westfalen) und im Westen bis zum Herzogtum Limburg.

 

Die Reihenfolge der oben aufgeführten Herren zeigt zudem die Häufigkeit ihres Auftretens in den Quellen. Unter Adolf I. genossen daher die Grafen von Jülich, Are-Hochstaden, Sayn und der Herzog von Limburg das besondere Vertrauen des Erzbischofs. Auch mächtige Große wie der Herzog von Brabant, der Graf von Flandern oder der Landgraf von Thüringen besaßen Lehen vom Kölner Erzbischof. Sie gehörten jedoch nicht zur "terra coloniensis", aufgrund ihrer Macht standen sie als gleichberechtigte Partner neben dem Kölner Oberhirten.

 

 

Teilüberschrift Zweite Seite Geistliche Rechte und Pflichten

 

 

 

Auch wenn der Erbischof weltliche Macht besaß, in erster Linie war er doch geistlicher Oberhirte über die Gläubigen der Erzdiözese. Nicht jeder war mit dieser Doppelrolle einverstanden, zumal es nach der kirchlichen Lehre für einen Geistlichen eigentlich verboten war, die Waffen zu führen. So prangerten gerade zum Ende des 12. Jh. diverse Geistliche die zunehmende Verweltlichung der Bischofswürde an, schon Erzbischof Adolf I. rechtfertigte sich jedoch mit dem Argument, durch seine weltlichen Aufgaben den Landfrieden zu wahren und damit die Gläubigen zu schützen.

 

Noch im 12. Jh. galt ein theologisches Studium als Voraussetung für die Erlangung der Bischofswürde. Außerdem musste der Bewerber das kanonische Alter von 30 Jahren erreicht haben, sollte gute Sitten haben, Urteilsvermögen besitzen und eine vorbildliche Lebensweise aufweisen können. Dass diese Forderungen nur idealisiert waren und von den meisten Erzbischöfen nicht ganz erfüllt wurden, dürfte einleuchtend sein. Wer zum Erzbischof geweiht worden war hatte einige Rechte, aber auch Pflichten zu erfüllen. Das Lehramt umfasste die Predigt, in erster Linie vor dem Klerus der Diözese, sowie das Abhalten von Diözensansynoden.


Mit dem Hirtenamt war die Visitation der Geistlichkeit verbunden. In großen Teilen des Erzbistum war das Visitationsrecht jedoch an die Dekane abgetreten, so dass der Erzbischof nur wenige Kirchen selbst besuchte. Dieses Recht war vor allem deshalb so begehrt, weil die besuchten Kirchen Visitationsgebühren zu bezahlen hatten, es stellte daher eine gute Einnahmequelle dar. Auch das geistliche Richteramt wurde dem Hirtenamt untergeordnet. Das Weiheamt schließlich umfasste die Weihe von Kirchen und Kapellen sowie die Spendung der Sakramente.


Zusätzlich hatte der Erzbischof jedoch auch noch geistliche Verwaltungsaufgaben zu erledigen, so z.B. die Umwandlung von Kapellen in Kirchen, den Tausch von Ämtern oder Pfründen und einiges mehr. Diese Aufgaben lagen vielen Erzbischöfen wohl am ehesten, entsprachen sie doch mehr weltlichen als geistlichen Pflichten.

 

 Erzbischof Bild 1Erzbischof Bild 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilüberschrift Priorenkolleg und Domkapitel

 

 

 

Neben dem Erzbischof gab es innerhalb der Diözese weitere Institutionen, die an der Leitung und Verwaltung des Erzbistums beteiligt waren: Priorenkolleg und Domkapitel. Das Priorenkolleg wählte als Vertreter des Klerus traditionell den Erzbischof. Es war ein lockerer Zusammenschluss der höchsten Würdenträger der Kölner Kriche, so gehörten z.B. die Pröpste von Bonn, Xanten und Soest, der Dompropst oder die Äbte von Deutz und Siegburg zum Priorenkolleg. Diese Männer standen als kirchliche Jurisdiktionsgewalten (Archidiakone, Dekane) zwischen Bischof und Kirchenvolk und besaßen daher einen großen Einfluss.


In der Mitte des 12. Jh. erwuchs diesen mächtigen Kirchenherren jedoch eine Konkurrenz durch das Kölner Domkapitel. Ursprünglich als "Brüdergemeinschaft" der Kölner Domkleriker gegründet konnte sich diese Gruppe im Laufe des Jahrhunderts korporativ verfestigen und aus der Vormundschaft des Erzbischofs lösen. Erkennen lässt sich diese neue Eigenständigkeit z.B. daran, dass der Dompropst seit dem 12. Jh. nicht mehr durch den Erzbischof sondern durch das Domkapitel gewählt wurde. Zudem wurden Allod des Kapitels und Allod des Erzbischofs nach und nach vollständig getrennt.


Mit diesem gestiegenen Selbstbewusstsein versuchten die Domherren, zunehmend Einfluss auf die Verwaltung der Diözese zu erhalten. Um 1200 n. Chr. rangen Prioren und Domherren daher um die Macht in der Diözesanregierung. Zunächst hatten die Prioren allerdings den besseren Stand, ihre Macht als Archidiakone und Dekane wurde dem Erzbischof jedoch zunehmend gefährlich so dass er das Domkapitel förderte. Zur Mitte des 13. Jh. hatte das Domkapitel das Priorenkolleg schließlich völlig aus der Regierung verdrängt.

 


 Quellen: